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Die Schließe ist gefertigt nach einem Online-Tutorial von EdenWorkShops; leider auf Englisch, aber durch die vielen Fotos eigentlich auch so zu verstehen. Lediglich die Angaben in Inches müssen auf deutsche Verhältnisse angepasst werden (1 inch = 2,54 cm ). Diese Webseite ist ohnehin eine Schatztruhe, weil der Autor jahrzehntelang als Buchbinder für ein englisches Kloster gearbeitet hat und auf dieser Webseite seine Erfahrungen u.a. im Marmorieren, Vergolden, etc. weiter gibt. Ich habe hier nicht von jedem einzelnen Arbeitsschritt Fotos gemacht, weil die Original-Anleitung sehr ausführlich ist.
Nach dieser Anleitung habe ich meine Buchbinderpappen zugeschnitten und mit Schlitzen und Löchern versehen. Auf dem Bild der Außenseiten sieht man links die beiden breiten Schlitze, in denen die Lederbänder der Schließe befestigt werden. In die Löcher und schmalen Schlitze in der Mitte werden die Heftkordeln gezogen und verleimt. Am rechten Rand des rechten Einbanddeckels kann man die Konturen der Silberdrähte erahnen, die zwischen den Buchbinderpappen eingeleimt sind und die Schließenhaken bilden werden. Die vier ausgeschnittenen Kartonstückchen für die Lederband-Schlitze sollte man eindeutig kennzeichnen und zur Seite legen; sie braucht man später noch.
Auf diesen Bildern waren die abgeschrägten Ränder der Außenseiten noch ziemlich rau und uneben und mussten noch mit feinem Schmirgelpapier bearbeitet werden. Damit die Pappen selber gleichmäßig glatt sind und einen idealen Untergrund für das Leder bilden, habe ich diese mit einer sehr dünnen Schicht Stärkekleister eingepinselt und nach dem Trocknen ebenfalls mit sehr feinem Schmirgelpapier bearbeitet.
Der nächste Schritt war das Aufkleben von nassem Natronpapier. Warum? Leder und auch Papier dehnen sich aus, wenn sie nass sind, und ziehen sich beim Trocknen wieder zusammen. Wenn Leder auf die Einband-Außenseiten aufgeklebt wird, dehnt es sich ein wenig durch die im Kleber enthaltene Feuchtigkeit. Die beim Trocknen entstehenden Zugkräfte können so stark sein, dass selbst Holz verbogen wird. Verbogene Buchdeckel sehen nicht nur unschön aus, sondern schützen das Buch auch nicht mehr vor Staub und Schmutz. Wird Natronpapier im feuchten Zustand auf die Einband-Innenseiten aufgeklebt, gleichen die beim Trocknen entstehenden Zugkräfte die später auftretenden Zugkräfte des Leders auf der Außenseite (hoffentlich) genug aus, um zu verhindern, dass sich die Buchdeckel verziehen. Und wieder warten, bis alles getrocknet ist... Buchbinderei ist definitiv nichts für Ungeduldige.
Da bei einem Gürtelbuch das Leder lediglich am oberen und vorderen Einbandrand umgeschlagen wird, am unteren Rand jedoch herabhängt, wäre dort die Buchbinderpappe zu sehen. Das gefiel mir nicht, und so habe ich mich entschlossen, dort ein wenig zu tricksen. Vom unteren Außenrand beider Einband-Pappen habe ich einen schmalen Streifen abgeschnitten und dort ein Stück Leder angeklebt und nach hinten umgeschlagen, sodass der untere Rand verdeckt ist. Diesen Ansatz wird das eigentliche Einbandleder später (hoffentlich) vernünftig verdecken.
Nun wird der Buchblock eingehängt. Dazu werden die Gazestreifen an den Innenseiten der Buchdeckel festgeklebt und die Heftkordeln erst durch das erste Set von Löchern von außen nach innen und dann durch das zweite Set von Löchern von innen wieder nach außen gezogen und ebenfalls festgeklebt. Kleine Holzsplinte sichern die Heftkordeln zusätzlich. Die Holzsplinte werden sowohl innen als auch außen bündig abgeschnitten, die Kordeln natürlich nur außen und eventuelle Löcher mit Kleber ausgefüllt. Nach dem Trocknen wird noch einmal vorsichtig geschmirgelt, dann kann das Buch eingeledert werden.
Das Buch wird in eine Presse eingespannt, der Rücken mit Kleber eingestrichen und das Leder aufgelegt. Nun kommt der interessante Teil. Ein fester Zwirn wird von einer Seite der Klotzpresse zur anderen gespannt und damit die Kanten der erhabenen Bünde in das leicht angefeuchtete Leder eingedrückt und fixiert. Mit dem Falzbein kann man die Bünde noch leicht nacharbeiten. Das überstehende Leder an den Seiten einrollen, damit der Zwirn auf diesen Stücken keinen bleibenden Eindruck hinterläßt . Gut trocknen lassen, bevor man weitermacht.
Bevor man das Leder auf den Vorderdeckel klebt, müssen für die Haken der Schließe sehr kleine Schnitte am Vorderrand gemacht werden. Dann klebt man das Leder auf, wobei man die Haken vorsichtig durch die kleinen Schlitze zieht. Mit dem Falzbein drückt man das leicht angefeuchtete Leder rund um die Haken an.
Nun werden die am Anfang ausgeschnittenen Kartonstückchen für die Lederband-Schlitze benötigt. Hat man das noch nicht gemacht, sollte man diese jetzt vor dem Aufkleben des Leders eindeutig kennzeichnen, so dass man nachher für jede der Aussparungen das richtige Stückchen Karton hat. Zuerst werden die beiden Stückchen für die Außenseite benötigt. Dann klebt man das Leder auf, mit besonderem Augenmerk auf die Aussparungen für die Lederbänder. Das Leder über den Aussparungen wird von außen ganz leicht angefeuchtet und die Kartonstückchen passgenau auf das Leder und in die Aussparungen gelegt, damit diese nachher sauber geformt sind. Dann kommt das ganze Buch zwischen zwei Pressbretter und wieder in die Presse.
Danach müssen die Lederbänder für die Schließen hergestellt werden. Zuerst wurden zwei Stücke Silberdraht zu dreieckigen Ösen zurechtgebogen und zusammengelötet (das muss ich definitiv noch üben...). Die Lederstreifen wurden durch die Ösen gezogen, doppelt gelegt und unter leichtem Zug zusammengeklebt. Und wieder warten...
Nach dem Trocknen werden die Lederbänder der Schließe befestigt. Zunächst einmal werden aber die beiden Kartonstückchen aus den Aussparungen genommen und die Schlitze für die Lederbänder auch durch das Leder auf der Außenseite gemacht. Die Lederbänder werden nun von außen durch die Schlitze gezogen, ruhig ein bisschen weiter als man es für nötig hält. Dann schließt man das Buch, drückt es an der Vorderkante herunter, zieht die Lederbänder jetzt vorsichtig so weit heraus, dass man sie über die Silberhaken ziehen kann. Wenn man das Buch jetzt loslässt, sollten die Seiten den Vorderdeckel so weit nach oben drücken, dass die Lederbänder stramm sitzen. So lange versuchen, bis es passt. In dieser Stellung werden die Lederbänder jetzt innen in die Aussparungen geklebt und auf entsprechende Länge geschnitten. Nun werden die beiden letzten Kartonstückchen passgenau in die Aussparungen geklebt und das Ganze gepresst.
Zum guten Schluss werden zunächst die beiden Lederstücke am unteren Rand nach innen umgeschlagen und geklebt. Dann erst schlägt man das Leder am oberen und den seitlichen Rändern um und klebt es fest.
Man schneidet zwei Stücke Pappe zu, die in der Höhe zwei, in der Breite einen Zentimeter schmaler sind als die Innenfläche der Buchdeckel. Sie sollten nicht oder nur minimal dicker sein als das verwendete Leder. Diese Füll-Pappe zentriert man auf dem inneren Buchdeckel bündig mit dem Falz und schneidet vorsichtig mit einem Cuttermesser oben, unten und an der Seite das darunterliegende Leder ein. Die Pappe wird zunächst zur Seite gelegt und die Schnitte so vertieft, das man die abgeschnittenen Lederränder leicht abziehen kann. Nun wird die Pappe bündig in die entstandene Aussparung geklebt. Als sauberen Abschluss klebt man nun das Vorsatzpapier auf den Buchdeckel. Ein Stück Plastikfolie auf das Vorsatzpapier legen, damit die Feuchtigkeit des Klebers während der Trockenphase nicht in den Buchblock ziehen kann, und das Buch schließen. Über Nacht pressen und trocknen lassen.
Nun fehlt noch die äußere Verzierung. Ein einfaches geometrisches Muster wird mit erwärmtem Werkzeug in das feuchte Leder geprägt; für die Lilien habe ich einen Punzierstempel benutzt. Fünf einfache, altsilberfarbige Kegelnieten runden das Bild ab. Früher schützen die Beschläge in erster Linie das Leder, später wurden sie auch zu Schmuckelementen. Eigentlich sollte man die Nieten vor der Füll-Pappe oder zumindest vor dem Vorsatzpapier anbringen, aber daran habe ich erst gedacht, als mein Vorsatzpapier schon munter vor sich hin trocknete; es war schon spät... Naja, damit kann ich leben.
Zum guten Schluss habe ich den Lederlappen am unteren Ende von links gerafft, umgedreht, unter der Verdickung noch einmal gerafft und einen Lederstreifen darum geflochten. Fertig ist der Knoten, der (unter den Gewandgürtel geschoben) das Beutelbuch am Gürtel hält.
 
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