Von Rogerus stammen vermutlich zwei Tragaltäre, die heute im Original in Paderborn (Domschatzkammer) zu sehen sind. Rogerus war der Begründer einer Kunstwerkstatt im Kloster Helmarshausen, aus der im 12. Jahrhundert bedeutende Werke der romanischen Kunst hervorgegangen sind, u.a. mehrere Codices, darunter das Evangeliar Heinrichs des Löwen, sowie Goldschmiedearbeiten und möglicherweise das bekannte Mindener Kreuz.
 Die von ihm zusammengestellte Schriftensammlung wird als "Schedula diversarum artium" bezeichnet (auch "De diversis artibus") und dürfte um 1100/1120 entstanden sein. Die ältesten erhaltenen Handschriftenexemplare befinden sich in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien und in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Ephraim Lessing entdeckte die Schrift als Bibliothekar in Wolfenbüttel neu. Eine erste deutsche Edition von Teilen des Werkes erschien 1874.
Dabei ist die "Schedula" keineswegs ein Komplettwerk, ganz im Gegenteil. Zur Zeit wird an einer systematischen Erfassung aller "Schedula"-Handschriften gearbeitet: "Welche Teile der "Schedula" werden von welcher Handschrift überliefert?" "Mit welchen weiteren Texten sind sie überliefert?" Die Forschungsergebnisse sollen in absehbarer Zukunft als digitale Datenbank organisiert, mit Facsimila und Handschriftenbeschreibungen verknüpft und digital präsentiert werden. (siehe auch Uni Köln, Philosophische Fakultät, Thomas-Institut)
Und wie macht man nun Dornentinte?
 Dornentinte wird aus der Rinde von Schlehenzweigen hergestellt. Sie vereint die Lichtechtheit und Haltbarkeit der Rußtinte mit der Wasserfestigkeit der Eisengallustinte, ohne deren Nachteile zu besitzen. Das Endprodukt, ein grob- bis feinkörniges Pulver-Konzentrat, ist nahezu unbegrenzt haltbar. Zum Schreiben löst man die pulvrige Substanz in warmem Wein. Die Tinte ergibt eine rot-braune, lasierende Schrift.
Um die Tinte dunkler und deckender zu gestalten, wurde z.T. Kupfer- oder Eisen-vitriol (Eisen-II-Sulfat) zugesetzt, das mit der Gerbsäure aus der Rinde eine schwarze Verbindung eingeht, was aber in Verbindung mit Wasser und Sauerstoff (feuchtes Papier) auch zum Tintenfraß führen kann. Also lässt man das besser und gibt sich mit brauner Schrift zufrieden. Hätten die Mönche vom späteren Tintenfraß der Eisengallustinte gewusst, hätten sie sich wahrscheinlich mit einer weniger dunklen Tinte zufrieden gegeben.
 Im Frühjahr - nach der Winterruhe, aber noch vor dem Austrieb der Blüten und Blätter - werden die Zweige geschnitten und einige Zeit getrocknet. Dann klopft man die Rinde mit einem Hammer von dem helleren inneren Holz der Äste. Die graugrüne Rinde lässt sich in länglichen, faserigen Stücken abziehen. Die abgezogene Rinde wird in einem Gefäß mit kochendem Wasser bedeckt und stehen gelassen. Dabei färbt sich der "Rindentee" schon rotbraun.
 Diese Brühe wird nun zwei- bis dreimal pro Woche abgesiebt, aufgekocht und über die immer mehr ausgelaugten Rindenstückchen gegeben, bis diese keine weitere Farbe mehr abgeben. Dies dauert etliche Wochen. Die Duftentwicklung hält sich in Grenzen; "Dornrindentee" riecht auch nicht schlechter als manch ein Arzneitee (wobei die letzteren wahrscheinlich trotz alledem wesentlich besser schmecken).
 Dann wird der "Rindentee" so weit eingekocht, bis die Masse anfängt gallertartig zu werden, etwa wie aufgelöste Gelatine. Anschließend fügt man etwa ein Drittel Wein hinzu und kocht die Masse weiter ein, bis sich auf der Oberfläche eine leichte Haut bildet. Hier ist der Arzneitee-Wein-Geruch doch etwas gewöhnungsbedürftig; zumindest meine Kinder grummelten hier vernehmlich: "Mama, deine Tinte stinkt." Eventuellen Bodensatz filtert man aus.
Diese Flüssigkeit wurde zu Theophilus' Zeiten in Tierblasen und Pergamentsäckchen an der Sonne getrocknet, was natürlich wiederum etliche Wochen in Anspruch nahm, abhängig von der Qualität des Sommers. Ich habe wiederum moderne Technik (sprich künstliche Wärme) in Anspruch genommen und die Rindentee-Wein-Mischung auf Kunststofffolien im Backofen bei 50°C getrocknet. Zum einen hätte Rudi Carrell wieder einmal die Frage nach einem "richtigen Sommer" stellen können, zum anderen wollte ich meinen beiden Katern keine "Jagdbeute" in Form von hin und her schwingenden Pergamentsäckchen bieten. Auch hier war meine Familie nicht so ganz begeistert vom entstehenden Geruch.
  Das Endresultat sind Tintenbröckchen bis hin zu feinem Puder. Wenn es trocken gelagert wird, ist dieses Konzentrat eigentlich fast unbegrenzt haltbar. Zum Schreiben werden Bröckchen bzw. Puder mit warmen Wein aufgelöst. Diese Tinte ist braun und dunkelt mit der Zeit noch ein wenig nach. Aber Vorsicht: zum Schreiben nur eine althergebrachte Feder benutzen; moderne Füllfederhalter verstopfen durch die Dornrindentinte!
Und dann...? Üben, üben, üben!
Dornentinte soll ja angeblich lichtecht und wasserfest sein. Schau'n mer mal...
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Ist Dornentinte lichtecht?
Ich habe hierzu Schriftproben in einer Klarsichthülle an die Scheibe eines Südfensters gehängt und im Abstand von zwei bis drei Wochen eingescannt.. Auch wenn der Sommer 2008 nicht ganz so "lichtstark" war, wie wir es uns vielleicht gewünscht hätten, zeigt er doch klare und interessante Ergebnisse beim Test der Lichtechtheit, auch im Vergleich mit anderen Tinten und Tuschen.
Ist Dornentinte wasserfest?
30 Sekunden unter fließendem kaltem Wasser - die Frisur sitzt? Nicht bei allen Tinten...
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