Wie alles begann...

Die Geschichte der Familie Prünte beginnt in einem kleinen Dorf, das sich mittlerweile zu einer recht beachtlichen Stadt gemausert hat: in Wickede an der Ruhr.

Dort liegt der Ursprung der Familie Prünte. Noch heute existieren in Wickede und in den umliegenden Orten Familien dieses Namens. Aber das Vorkommen der Familie Prünte ist nicht nur auf diese Gegend beschränkt. Wenn man sich das Telefonverzeichnis von Deutschland ansieht, findet man diesen Namen hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen, aber auch vereinzelt in anderen Bundesländern. Fast alle Namensträger lassen sich irgendwie auf diese "Urfamilie" zurückführen.

Wickede selbst trägt seinen Namen nach dem ersten Hof "Wikki", der auf dem Hahenkip entstand. Um 1100 existierte dort eine kleine Streusiedlung von fünf Höfen. Neben dem Haupthof gab es die Höfe Risse, Alf, Schmidt-Geiping und Brahms.

Im 15. Jahrhundert war die Bevölkerung in der kleinen Siedlung Wickede dermaßen angewachsen, dass neues Land gebraucht wurde. Die Besitzer der fünf großen Höfe fällten - nach Absprache mit ihren jeweiligen Pachtherren - die Entscheidung, für neue Kleinbauernhöfe das benötigte Ackerland durch Rodung in der großen Flur des Ohls zu gewinnen. Mehr als 100 Jahre lang wurde dieser Entschluss Stück für Stück in die Tat umgesetzt. Gleichzeitig wurden sogenannte Kötter = Kleinbauern angesiedelt. Hauptsächlich der Schultenhof trat Land an diese Kleinbauern ab. Fünf große Kotten wurden mit jeweils 10 Morgen Land ausgestattet, die anderen mit etwa 6 Morgen Land. Zwischen 1400 und 1500 wurden so mehr als 100 Morgen Land gerodet.

In diese Zeit fiel wohl auch die Gründung des Hofes bzw. Kottens Prünte. Er wurde als größerer Kotten vom Schultenhof mit etwa zehn Morgen Land ausgestattet und wahrscheinlich auf dem gleichen Gelände angelegt, auf dem im Jahre 1865 der damalige Hof Prünte in Wickede abbrannte. Auf diesem Gelände steht heute das Gebäude der Sparkasse in Wickede. Um 1550 entstanden in Wickede acht weitere aber kleine Kotten, die lediglich mit bis zu sechs Morgen Land ausgestattet wurden.

Mit diesen 18 Hofstellen waren die landwirtschaftlichen Möglichkeiten in Wickede wohl ausgeschöpft. Weitere Höfe wurden in den nächsten 250 Jahren nicht gegründet, so dass eine Liste aus dem Jahr 1807 durchaus auch aussagekräftig für die Besitzverhältnisse im 16. und 17. Jahrhundert ist. (Angaben in Morgen):

Hofname Ackerland Waldbesitz Weideland Gesamt
Schulte zweipflügig 75 229 86 390
Risse einpflügig 58 35 6 99
Alf einpflügig 42 18 2 62
Brahm einpflügig 28 30 3 61
Schmidt einpflügig 31 15 2 48
Biermann großer Kotten 13 7 gering 20
Brinkmann großer Kotten 12 15 gering 27
Prünte großer Kotten 11 7 gering 18
Wiehagen großer Kotten 12 4 gering 16
Humpert großer Kotten 8 5 gering 13
Rennebaum Pferdekötter 10 3 gering 13
Düllmann kleiner Kotten 5 1 gering 6
Sillies kleiner Kotten 1 1/2 4 gering 5 1/2
Knoppe kleiner Kotten 4 0 gering 4
Threse kleiner Kotten
2 0 gering 2
Schumacher kleiner Kotten 2 0 gering 2
Becker kleiner Kotten 2 0 gering 2
Knippert kleiner Kotten 1 0 gering 1

Über die Herkunft der Familie Prünte selbst wissen wir eigentlich recht wenig. Es bleiben einige Fragen offen, deren Beantwortung im Moment der Spekulation überlassen bleiben muss:

  • Wir wissen nicht genau, wann die Familie, die als erstes auf dem Prünte-Kotten ansässig war, nach Wickede gekommen ist. Wenn man allerdings davon ausgeht, dass die größeren Kotten zuerst gegründet wurden, um auf diese Weise Familien zu versorgen, die auf den größeren Höfen lebten und arbeiteten, könnte man vermuten, dass die später "Prünte" genannte Familie vielleicht schon vor 1400 nach Wickede gekommen ist.
  • Wir wissen nichts über die Entstehung des Namens. Eine mögliche Deutung könnte uns Gottschald liefern. Er verweist unter dem ähnlich klingenden Namen Prünster auf "Brünst", was soviel wie brennen oder Feuerrodung bedeutet. Insgesamt über 100 Morgen Wald mussten in Wickede gerodet und urbar gemacht werden. Das hieß, die altehrwürdigen Baumriesen fielen der Axt zum Opfer, aber das reichte nicht. Die Baumstümpfe, das umfangreiche Wurzelwerk und das Gestrüpp mussten ja auch fort. Wäre es da nicht denkbar, dass da ein bisschen mit Feuer nachgeholfen wurde, um sich die Arbeit ein wenig zu erleichtern? Vielleicht ist an der Stelle des späteren Prünte-Kottens das Gelände durch Brandrodung urbar gemacht worden. Oder die Brandrodung ist an dieser Stelle außer Kontrolle geraten und hat eine Feuersbrunst hervorgerufen. Sicherlich nur Möglichkeiten der Namensdeutung; vielleicht gibt es da irgendwann einmal mehr Klarheit.
  • Wir wissen ebenfalls nichts über die ursprüngliche Schreibweise. Lange Zeit gab es ja keine offiziellen Urkunden wie Tauf-, Heirats oder Sterberegister. Die Kirchenbücher für Bausenhagen, zu dem Wickede gehörte, beginnen erst im Jahre 1658 und weisen für die ersten Jahre ohnehin sehr große Lücken auf. Aber selbst danach gibt es keine kontinuierliche Aufzeichnung und noch weniger eine einheitliche Schreibweise. Namen wurden nach Gehör und abhängig von den Schreibkenntnissen aufgeschrieben. Nachgewiesen sind die Formen Brünte, Prönthe, Prunte, Prunthe, Prünte und Prünthe. Die Form Brünte würde die oben geäußerte Vermutung über die Entstehung des Namens unterstützen.
  • Wir wissen auch nicht genau, wie sich der Name Prünte zunächst weiter vererbt hat. Neben der heutzutage üblichen väterlichen Linie gab es damals ja auch die Weitergabe des Namens über die mütterliche Linie, nicht nur bei unehelichen sondern auch bei ehelichen Geburten, oder sogar wie in Westfalen üblich als Hofname. Da in Westfalen die Scholle, d.h. das Land, eine wesentlich größere Bedeutung hatte als der eigentliche Familienname, dürfte diese Möglichkeit für den Hof Prünte nicht ganz von der Hand zu weisen sein, vor allem, da in den ersten im Kirchenbuch nachweisbaren Generationen die Namens-Weitergabe über die mütterliche Linie bzw den Hofesnamen vorkam.
  • Es hält sich übrigens sowohl in der Sönner'schen als auch in der Wickeder Familie Prünte bis heute das Gerücht, dass unter den Vorfahren ein Spanier oder ein Schwede zu finden sei: in Westönnen wird von Spanier oder Franzose gesprochen. Es bleibt dahin gestellt, ob es sich dabei um die Namensträger-Linie oder eine angeheiratete Linie handelt. Bis jetzt hat sich das Gerücht weder bestätigt noch als falsch erwiesen, aber ein Körnchen Wahrheit wird auch in dieser Familiensaga stecken. Vielleicht ist diese Familienerzählung irgendwie auf einen der vielen Kriege und den damit einhergehenden Truppenbewegungen zurückzuführen.
 

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